(Text & Fotos von Peter Stief )

So wurde nun voller Zuversicht der 300 km lange Heimweg angetreten. Immer wieder kontrollierte Jochen im Rückspiegel ob denn sein vom „Möhrchen“ zum „Schätzchen“ gewandelter Chopper auch noch sicher auf dem Trailer verzurrt war. In den schönsten Farben malte er sich seine erste Probefahrt mit den neu erworbenen 276 Pferdestärken aus. Kaum konnte er den ersten trockenen Tag erwarten um seinem „kraftstrotzenden“ Prunkstück die schöne weite Welt zu zeigen und mit ihm zusammen die trockene kalte Winterluft der Freiheit zu atmen.

 Das Ende der Enttäuschungen war aber noch lange nicht erreicht!! Im Gegenteil, die richtigen Probleme fingen nun erst an. Der Motorenbauer warb bereits auf seiner Homepage ( mit unerlaubten Foto`s ) mit diesem Motor und rühmte sich, der Erste zu sein, der die Marke „mehr als 100 PS per Liter Hubraum mit einem Lufti“ knacken konnte.

 Die Überführungsfahrt zur Heimatwerkstatt waren etwa 30 Kilometer. Diese sollte das „Übertrike“ als erste Fahrt mit eigenem Antrieb zurücklegen. Doch trotz angeblicher 100 Stunden Probelauf auf dem Prüfstand war bereits nach etwa 15 Minuten und 20 km Fahrt das Ende des „Supermotors“ erreicht. Dichter blauer Qualm drang aus dem Auspufftopf und die Leistung lies spürbar nach.

 Und so war bereits nach wenigen Minuten zurückhaltender Fahrweise ein kapitaler Motorschaden zu vermelden – und das mit einem so teuren Triebwerk!  

Das Trike wurde dann die paar Kilometer zur Werkstatt geschleppt. Dort wurde von Manni, in der Trikerszene als Kapazität bekannter Motorenmann, ein gravierender Mangel nach dem Anderen am“ SUPER-Motor“ festgestellt. Nach einer ersten Inaugenscheinnahme konnte Manni schon sagen, dass etliche der  verbauten Teile wenig mit den Premiumbauteilen aus dem Angebot gemein hatten. Geldstückgroße Metallfragmente wurden im Ölkreislauf gefunden. Außerdem war die Qualität der Verarbeitung „unter aller Sau“.

Da man in einem solchen Fall geneigt ist von Betrug zusprechen, hatte Jochen natürlich kein Vertrauen mehr in die „Künste“ des Herrn L. (die Firma „Limbach Flugmotorenbau“ hat wirklich nichts mit diesem Herrn zu tun) der diesen Motor aufgebaut hatte. Er wollte nun genau wissen ob er tatsächlich in diesem Ausmaß gelinkt wurde und beauftragte einen unabhängigen Sachverständigen ein objektives Gutachten über die Qualität dieses „Hochleistungsmotors“ zu erstellen.

Dieser Gutachter bestätigte nicht nur den ersten Verdacht, sondern fand in den Tiefen des Boxermotors noch mehr minderwertige und vollkommen unsachgemäß zusammengeschusterte Teile als zuerst befürchtet wurde. Von der Firma S… o.. S …. wurden natürlich alle Vorwürfe zurückgewiesen und auch der Sachverständige als „nicht sachverständig“ abgelehnt.

So musste man sich eben vor Gericht wieder sehen. Hier wurde von Seite des Motorenbauers alle Register gezogen und die Sache verschleppt und verzögert wo es nur ging. Fast konnte man meinen, er hat bei diesen juristischen Schachzügen mehr Intelligenz an den Tag gelegt als beim handwerklichen arbeiten. Aber auch die Geduld es geduldigsten Richters hat irgendwann einmal ein Ende.

Ein weiteres unabhängiges Gutachten von einem anderen Sachverständigen wurde erstellt. Dieser zweite Fachmann kam zu genau demselben Ergebnis wie der erste. „Unprofesionelle Arbeit“, „stark durch Schmutzeinwirkung beschädigt“, „starken Zahnrad- und Gehäuseverschleiß“, „normale VW – Gebrauchtteile“, „Schwungrad mit 6 kg. statt wie angeboten 2,1 Kg“, Schleifarbeiten in unprofessioneller, grober und unpräziser Weise“, „Durchbruchslöcher“, „derart schlechter Zustand dass ein längerer Betrieb nicht möglich ist“, „kurzfristig Totalschaden“, „nicht durch Nacharbeit, sondern nur durch Erneuern einer großen Zahl von Motorenteilen“ usw. usw.. So lauten einige Zitate aus dem zweiten Gutachten des Sachverständigenbüros Hutzenlaub. In der Zusammenfassung heißt das dann sinngemäß: „Der Motor entspricht nicht dem Auftrag von Jochen. Dies bezieht sich sowohl auf die Verwendung von Teilen wie auch auf die Qualität der Arbeit. Einen 100 stündigen Probelauf hat dieser Motor nicht absolviert und mit Sicherheit unter Vollast auch nicht absolvieren können“

   Auch die Kosten für die Gutachter musste natürlich erst mal der Jochen tragen.  Allerdings, so sagte Jochen`s Rechtsanwalt – dessen Kosten sowie die Gerichtsgebühren etc. er natürlich auch erst mal vorstrecken musste – besteht an einem Sieg vor Gericht nicht der geringste Zweifel. Dann müssen ja die entstandenen Kosten vom Gegner des Rechtstreites übernommen werden. – So weit die Theorie.

 Nach mehreren Vorverhandlungen fällte dann das Landgericht Siegen am 8. Juni 2005 (über 21 Monate nach Auftragsvergabe) unter dem Aktenzeichen 2 O 165 / 05 das lange erwartete und  ersehnte Urteil:

 Die Beklagte wird verurteilt ……. 15 000 Euro plus Zinsen ….... an den Kläger zu zahlen.( Vorabzahlung)

Die Kosten des Rechtstreits trägt die Beklagte.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Dasselbe Landgericht verwarf dann am 5. Juli 2005 den von der Beklagten eingelegten Einspruch. Somit war das Urteil also rechtskräftig und Jochen hätte  alle Kosten erstatten bekommen müssen, um seinen Motor in einen betriebsfähigen Zustand versetzen zu lassen. Auch alle im Rechtstreit angefallene Kosten konnten nun von S… o.. S… eingefordert werden.

Der zuständige Gerichtsvollzieher konnte also beauftragt werden die Summe von weit über 23 000 Euronen von den schlampig arbeitenden Motorenbauern einzutreiben.

Gleichzeitig konnte Jochen einen richtigen und ehrlichen Tuner mit dem Neuaufbau seines Motors beauftragen – die Kosten hierfür musste ja nun lt. Richterspruch von S… o.. S… erstattet werden.

Der Neuaufbau gestaltete sich allerdings auch wieder recht schwierig, da doch allerhand an dem Triebwerk in Ordnung zu bringen war. Einige Teile, die in vermutlich betrügerischer Absicht von minderer Qualität verbaut wurden, mussten erst aufwendig aus Übersee besorgt werden. Das sehr teure Steuergerät des Motors konnte nicht umprogrammiert werden und musste auch neu eingebaut werden.

Zwischenzeitlich kam dann die nächste Hiobsbotschaft für Jochen aus Netphen: Wie befürchtet und auch fast erwartet hat die Firma S… o.. S… „Pleite“ gemacht und hat angeblich keinen einzigen €-Cent mehr um ihre Schulden beim „Pannentriker“ Jochen zu bezahlen d.h. auch die Kostenerstattung für die erforderlichen Neuteile war dahin.

 Wie Eingangs erwähnt, werden solche Firmen ja oftmals nach einer Insolvenz innerhalb kurzer Zeit unter anderem Namen weitergeführt. Bleibt abzuwarten ob das hier genauso praktiziert wird? Insider behaupten, dass der eigentliche Chef dieser Firma bereits heute wieder über ein, uns allen bekanntes Internetauktionshaus, seine „Hochleistungsmotoren“ schon wieder an gutgläubige Käufer bringen will. Bei einer solchen Investition, wie dies ein Tuningmotor ja nun mal darstellt, ist doch ein wenig Vorsicht geboten damit man kein „Secret Of Schrott“ für sein gutes Geld bekommt. Es tummeln sich auf diesem Markt nicht nur, sicherlich vorhandene, seriösen Tuner und Händler. Es gibt auch diese Abzocker, die nur auf die schnelle Mark (Euro) aus sind und denen der zahlende Kunde letztendlich nichts anderes als ein „Geldbringer“ bedeutet.

 Jochen hat diese Eskapade nicht nur sehr viel Geld gekostet, sondern auch einige graue oder ausgefallene Haare gebracht. Außerdem war sein geliebtes Möhrchen wegen des Beweissicherungsverfahrens über drei !!! lange und schöne Sommer hinweg nicht einsatzfähig.      

Wer will, der kann Jochen, den „Pannentriker“ in der Saison 2007 wahrscheinlich häufiger auf den Straßen dieser Welt mit seinem „Möhrchen“ treffen. Weiterhin beabsichtigt er die gesamte Story auf seiner Website WWW.Pannentriker.de mit einem Bildbericht, Zeitplan und den Gutachten etc einzustellen, so dass alle Trikerfreunde sich umfassend informieren können.  

Ich wünsche ihm auf jeden Fall viele pannenfreie Kilometer mit seinem Chopper, der mit seinem neuen, standfesten Motor jetzt auch deutlich über 200 PS auf die breiten Hinterräder stemmt.
 

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